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Nervensystem beruhigen: Warum du nicht mehr herunterkommst

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit
Lächelnde Frau draussen in den Bergen, Nervensystem Beruhigen, LebeLagom


«Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.»

Ovid



Jährliche Kontrolle beim Zahnarzt. Das Licht blendet, du liegst auf dem Stuhl, und er nimmt sein Werkzeug in die Hand und beginnt zu schauen. Sein erster Kommentar: «Sie knirschen. Ihre Backenzähne sind glattpoliert.»

Du bist erstaunt. Du knirschst doch nicht mit den Zähnen.


«Wie sind Ihre Zähne im Normalzustand, wenn Sie nicht essen?»


Fest aufeinander natürlich.


«Das ist nicht normal, das ist verkrampft. Sie beissen sich gerade durchs Leben. Sind Sie im Moment oft angespannt?»


Nach dem Termin achtest du zum ersten Mal bewusst darauf, was dein Kiefer macht. Und du merkst: Der Zahnarzt hat recht. Du bist verbissen. Du hast es nur nicht mehr gemerkt, weil es dein Normal ist.


Das ist der Punkt, an dem es ernst wird. Du bist nicht einfach gestresst. Du hast vergessen, wie sich Ruhe anfühlt.




Du kommst nicht mehr herunter


Dein Körper kann zwei Dinge. Er kann hochfahren: Dein Herz schlägt schneller, dein Blick geht nach aussen, du packst an. Und er kann herunterfahren: Dein Atem wird tief, dein Bauch wird weich, und jetzt erst verdaut und repariert er, was der Tag gekostet hat.


Du brauchst beides, so wie Einatmen und Ausatmen.


Am Morgen fährst du hoch. Du stehst auf, du denkst schneller, du erledigst. Daran ist nichts falsch, dafür bist du gebaut. Nur bleibst du in diesem Modus stecken.

Selbst am Abend fährst du nicht mehr herunter. Du legst dich aufs Sofa, die Serie läuft, das Handy liegt in deiner Hand. Dein Körper liegt, und in dir läuft alles weiter, die Anspannung bleibt. Ein Teil von dir wartet ungeduldig darauf, endlich wieder aufzustehen und weiterzurennen, obwohl das doch deine Entspannungszeit sein sollte. Nach zwei Stunden gehst du ins Bett, und dein Kopf fühlt sich kein bisschen erholt an.


Du hast dich ausgeruht, aber du warst die ganze Zeit auf Standby. Standby ist keine Pause.

Hochfahren ist nicht dein Problem. Dein Problem ist, dass du nicht mehr herunterkommst.




Warum dein System oben bleibt


Du hast nie entschieden, die Zähne zusammenzubeissen. Jemand anderes in dir hat das entschieden, und zwar lange bevor du etwas dazu denken konntest.

Dein Unterbewusstsein hat nur ein Ziel: dein Überleben. Jeden neuen Moment in deinem Leben misst es an dem, was du schon erlebt hast. Und noch bevor dein Bewusstsein reagieren kann, läuft im Hintergrund bereits das Verhalten, das dich früher durch einen solchen Moment gebracht hat.


Wie es sich damals angefühlt hat, spielt keine Rolle. Du hast es überlebt, also wird wieder so reagiert.


Dein Unterbewusstsein fragt nicht, ob etwas gut oder schlecht für dich ist. Es fragt nur: Kenne ich das? Was es kennt, ist sicher. Was es nicht kennt, ist potenziell gefährlich. Rate mal, was es wählt.


Deshalb hängst du so an deinen alten Gewohnheiten und bleibst in Mustern stecken, egal ob sie dir guttun oder nicht. Das ist der Grund, weshalb ein verkrampfter Kiefer dein Normal ist, obwohl er für deine Zähne nicht gut ist. Dein System hat abgespeichert, dass du mit dieser Anspannung überlebst.


Wenn dein System einmal gelernt hat, dass es im Alarmzustand bleiben muss, um sicher zu sein, dann tut es alles, um diesen Zustand zu halten. Die Anspannung ist für dein System kein Fehler. Sie ist dein Schutz. Und Ruhe ist das Unbekannte.




Nervensystem beruhigen geht nicht über den Kopf


Jetzt weisst du, warum du verbissen bist. Dein Kiefer ist immer noch fest.

Du kannst deine Zähne schützen und sie mit einer zahngesunden Ernährung stärken. Das lohnt sich. Es geht aber um mehr als deinen Kiefer.

Es geht um deine Gesundheit und darum, dass du lebst und nicht einfach überlebst.


Der erste Schritt ist, dass du das erkennst. Der zweite ist, das zu wollen, und zwar nicht nur mit deinem Kopf, während in deinem Unterbewusstsein weiterhin das alte Programm läuft.


Dieses Wollen bringst du nur auf eine Art in dein System: durch Erfahren. Wenn dein Unterbewusstsein erlebt, dass es nicht nur ebenfalls sicher ist, entspannt zu sein, sondern sogar besser, dann wird es alles daransetzen, dass dein System wieder reguliert. Du musst dich dann nicht mehr gegen die Strömung stemmen. Sie trägt dich.



Wie kannst du nun erleben, dass Entspannung dir guttut?


In kleinen achtsamen Schritten in deinem Alltag. Dein Atem ist dafür das einfachste Werkzeug. Für andere ist eine Rauchpause selbstverständlich: Mach du doch einfach eine «Pause zum Atmen». Aufstehen, am besten rausgehen, fünfmal tief ein- und ausatmen. Zelebriere diesen Moment.


Wenn es für dich passt, dann gähne einmal dabei. So lockert sich auch gleich dein Kiefer, und du entspannst noch mehr.


Klingt nach nichts? Perfekt, dann gibt es keine Hürde, das gleich jetzt einmal zu tun.


Einmal genügt allerdings nicht. Dein Unterbewusstsein wählt, was es kennt, also muss es die Ruhe erst kennenlernen. Mach dieses kleine Ritual regelmässig, immer wieder. Setz dir dafür einen Anker in deinem Alltag, zum Beispiel nach jedem Meeting. Nimm, was zu deinem Tag passt. Ohne diesen Anker wirst du es wieder vergessen, deshalb brauchst du ihn.




👉 Wie du Entspannung in deinem Alltag erlebst und was dein Unterbewusstsein damit zu tun hat, darüber schreibe ich alle zwei Wochen in meinem Newsletter. Melde dich unten an.

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Corinne Tolotto
Life Coach · Beratung zu Ernährung und Gesundheit

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