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Kein Hunger und trotzdem kein Halten – was emotionales Essen mit einem nordischen Drachen gemeinsam hat

  • vor 16 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Emotionales Essen verstehen – Niðhöggr und Lagom Workbook von lebelagom


Fünf Jahre Studium. Die Erwartungen an mich: leisten und liefern. Immer ein bisschen mehr lernen, ein bisschen länger in der Bibliothek bleiben, ein bisschen früher als die anderen dran sein. Mein persönlicher Rettungsanker in dieser Zeit: saure Gummiwürmer. Natürlich farblich sortiert, aufgereiht auf dem Tisch neben mir.

Nach jedem Abschnitt im Buch kam die Belohnung. Ein Gummiwurm wurde auf die Zunge gelegt, genüsslich abgelutscht und schliesslich zerkaut – ein konstanter Zuckerstrom, ein kleines Ritual, das mir sagte: Du machst das gut. Weiter.


Gummiwürmer waren meine Karotte an der Angel, ich der Esel, der mechanisch hinterhertrottete.


Irgendwann half der Zucker aber nicht mehr. Auch nicht in höheren Dosen. Ich konnte nicht mehr leisten.

Das Eingeständnis, dass es nicht gut war, wie es war, war schmerzhaft. Aber es war auch der Beginn eines anderen Lebens – eines, in dem ich aufgehört habe, mich zu Dingen zu pushen, die ich eigentlich gar nicht wollte. Ich habe aufgehört, gegen diesen Drang nach Belohnung und Schmerzbetäubung zu kämpfen, und angefangen, hinzusehen und zu verstehen.


Die Erkenntnis, die mich bis heute begleitet: Mein Körper performte nicht durch die Süssigkeiten – sondern trotz ihnen.




Was sind deine Gummiwürmer?


Vielleicht kennst du auch folgendes:

Du kommst nach einem langen, sehr doofen und anstrengenden Tag nach Hause. Dein Kopf ist voll, du bist erschöpft und gleichzeitig aufgewühlt und geladen. Bevor du richtig nachgedacht hast, marschierst du in die Küche – und mit noch offenem Schrank reisst du die Kekspackung, Chipstüte oder Tafel Schokolade auf. Nicht aus Hunger, sondern weil irgendetwas in dir hungrig war.


Du isst mechanisch und abwesend, stopfst es in dich hinein, während du gleichzeitig versuchst, dich mit einer Serie abzulenken. Bis deine Hand ins Leere greift.


Und in diesem Moment kommt das leise Gefühl hoch: eine Härte im Bauch, eine leichte Übelkeit und Scham. Schon wieder warst du zu schwach.


Und hier ist das Wichtigste: Du bist nicht schwach. Und es liegt nicht an mangelnder Disziplin.





Emotionales Essen: Es wurde dir beigebracht


Wir nennen Schokolade, Alkohol und Kaffee Genussmittel. Das Wort verrät schon alles: Das ist kein Essen mehr – es ist ein Werkzeug, ein Ritual, ein Symbol.


Torte zum Geburtstag.

Guetzli zur Adventszeit.

Popcorn im Kino.

Ein Glas Wein nach einem langen Tag, weil man es sich «verdient» hat.


Du wendest an, was dir beigebracht wurde. Dieser Umgang wurde dir gegeben, eingeübt, wiederholt, bis er sich selbstverständlich anfühlte. Essen bedeutet feiern. Essen bedeutet Trost. Essen bedeutet Zugehörigkeit, Erinnerung, Belohnung.


Aus all diesen Wiederholungen sind Automatismen entstanden.

Griffe, die einfach passieren, ohne dass du wirklich dabei bist.

Das ist kein Versagen. Das ist Kultur.




Niðhöggr – das Bild, das emotionales Essen erklärt


Es gibt eine nordische Geschichte, die älter ist als all deine Essensmuster.

In den Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil lebt Niðhöggr. Ein Wesen – halb Schlange, halb Drache.


Er nagt. Unermüdlich.


Und in vielen Geschichten klingt das bedrohlich und düster. Aber schau genauer hin: Niðhöggr frisst nicht willkürlich – es kann sogar nützlich sein. Wenn er das Alte, das Abgestorbene, das Morsche entfernt, hat das Neue Platz zum Entstehen. Niðhöggr gehört zum Kreislauf. Er ist Teil des Baumes – nicht sein Feind.


Nur wenn er an lebendigen, frischen Trieben nagt, wird es zum Problem. Und das war bei mir der Fall, als ich ihm Gummiwürmer zum Fressen gab.


Dein emotionaler Hunger ist dein Niðhöggr. Er ist nicht schlecht. Er ist nicht dein Feind. Er hat eine Botschaft an dich – eine über das, was du wirklich brauchst. Solange du diese nicht hören willst, nagt er weiter an den falschen Stellen.


Die Frage ist nicht, wie du ihn zum Schweigen bringst.

Die Frage ist: womit fütterst du ihn?




Lagom – das nordische Prinzip gegen Heisshunger


Die Skandinavier haben ein Wort, für das es keine direkte Übersetzung gibt: Lagom. Nicht zu viel, nicht zu wenig – genau richtig.


Lagom bedeutet: Du musst nichts aufgeben. Keine Liste von Verboten. Keine Kalorientabelle. Kein schlechtes Gewissen am Montagmorgen.


Wenn du Lagom lebst, darf Schokolade bleiben. Chips auch. Was sich verändert, ist das Verhältnis dazu – nicht Kontrolle, sondern Bewusstsein. Nicht Automatismus, sondern Genuss mit Mass. Und dieses Mass ist für jede anders. Es ist deins.




Was wäre möglich, wenn du zum Ursprung gehst?


Stell dir vor, du könntest verstehen, was dein Hunger wirklich sucht. Nicht nur was du isst – sondern warum.

Stell dir vor, du erkennst, an welcher Wurzel Niðhöggr gerade am aktivsten nagt. Und du hättest einen persönlichen Köder für ihn, um ihn von den frischen Trieben wegzulocken.

Stell dir vor, du greifst samstags bewusst nach der Schokolade – und unter der Woche nicht aus Reflex, sondern weil du wirklich Lust hast. Der Unterschied zwischen diesen beiden Momenten ist alles.


Und Niðhöggr wäre nicht dein Feind, sondern dein Reisegefährte.


Genau das ist der Ausgangspunkt von Niðhöggrs Quelle – meinem 5-Tage-Workbook über emotionales Essen, Lagom und den Weg zurück zum echten Genuss.


Emotionales Essen verstehen – Niðhöggr und Lagom Workbook von lebelagom

In fünf Tagen wirst du beobachten, fragen, verstehen, handeln – und schliesslich wirklich essen.

Nicht als Programm, nicht als Diät. Sondern als neue Art, mit dir umzugehen.



Das schwarze Loch des emotionalen Essens ist unersättlich.

Es sei denn, du gehst zum Ursprung.



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