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Selbstfürsorge im Alltag: Warum du dir Gutes tust und nichts fühlst

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit
Frau vor voller Spülmaschine. Beovr sie sich schaut, wird die Arbeit erledigt. Selbstfürsorge, LebeLagom

«Für mich selbst zu sorgen ist kein Luxus. Es ist Selbsterhaltung.»

Audre Lorde



Du stehst in der Küche und lässt dir einen Kaffee heraus. Die Maschine heizt noch auf, und dein Blick fällt auf die Spülmaschine. Also räumst du sie aus. Nach den ersten Tellern merkst du, dass du aufs Klo musst. Du drückst die Beine aneinander und räumst weiter. Nur noch schnell fertig machen.


Nichts daran ist dringend. Du könntest nach jeder Tasse aufhören, und es hätte keine einzige Folge. Trotzdem kneifst du die Beine zusammen, bis das letzte Glas im Schrank steht.


Das sieht nach nichts aus. Eine Minute in deiner Küche, über die du nie mit jemandem reden würdest. Schau trotzdem genau hin. Du erlaubst deinem Körper das Dringendste erst, wenn die Arbeit getan ist. Und wenn das schon hier gilt, dann gilt es für alles andere erst recht. Für deine Müdigkeit, für deinen Hunger, für jede Pause und für jede Freude.


Selbstfürsorge ist kein Zeitproblem. Sie ist ein Erlaubnisproblem. Und diese fehlende Erlaubnis steuert weit mehr als deine Pausen. Sie steuert, wie du lebst.




Das Programm, das immer mitläuft


Du hast nie beschlossen, so zu sein. In dir laufen Sätze, die älter sind als jede deiner Entscheidungen. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Eine Pause muss verdient sein. Die anderen sind wichtiger.


Diese Sätze sind dein Massstab geworden, und du hast ihn nie gewählt. Nach ihm darfst du noch nicht müde sein, weil es noch nicht fünf Uhr ist. Weil noch so viel zu tun ist. Weil die anderen sonst denken, du seist faul.


Ich weiss, wie tief das sitzt. Ich wurde dazu erzogen, den Fokus immer bei den anderen zu haben. Wenn ich einmal ein eigenes Bedürfnis äusserte, wurde es klein gemacht, und mir wurde gesagt, ich sei falsch. Also deckelte ich diese innere Stimme. Ging es den anderen gut? Was brauchten sie? Wie konnte ich helfen? Ich schaute, dass es allen gut ging, und fühlte mich selbst immer verlorener. Hinschauen durfte ich dort nicht, denn mein Wert bestand nur, solange es den anderen gut ging. Ein Teufelskreis.


Kennst du das? Dann fühlt sich jede Minute für dich selbst an, als würdest du sie jemandem wegnehmen. Du nimmst sie niemandem weg. Egoistisch ist, wer sich auf Kosten von anderen bedient. Du hast dich jahrelang auf deine eigenen Kosten um alle gekümmert.





Du tust dir Gutes und fühlst es nicht


Und jetzt kommt das Bittere. Du gönnst dir ja etwas. Zwischendurch gibst du dir genau die Dinge, die dir guttun sollten.


Du sitzt im neuen Coffeehouse um die Ecke, und vor dir steht ein Latte macchiato. Auf diese Pause hast du dich gefreut. Du löffelst den Schaum, und mit der anderen Hand scrollst du schon durch Instagram. Dann ist die Tasse leer, und in dir ist nichts angekommen.


Von aussen ist alles da, was guttun sollte. Innen bleibt es stumm. Du tust dir Gutes und fühlst es nicht.


Das liegt weder am Kaffee noch an dir. Mit diesem Druck und dieser inneren Spannung, alles im Griff zu haben, läufst du die ganze Zeit im Notprogramm. Du funktionierst. In diesem Modus werden deine Gefühle leiser gedreht, weil sie beim Durchkommen nur stören. Leiser gedreht wird dabei alles, auch das Schöne.


Ganz ehrlich: Du kannst noch so viele Yogastunden in deinen Kalender eintragen. Solange dein System oben bleibt, ist jede davon eine Aufgabe, die du abhakst, und du gehst so leer hinaus, wie du hineingegangen bist.


Du merkst ja, dass etwas fehlt. Also strengst du dich an und gönnst dir noch mehr. Du gibst dir alles, ausser dem, was du wirklich bräuchtest: einen Moment, in dem dein System herunterfahren darf. Erst dann kommt an, was du dir gibst. Wer permanent funktioniert, verschleisst.


Dahinter steckt ein Denkfehler, und er hält alles zusammen. Du behandelst Selbstfürsorge wie eine Belohnung. Wer sich als Versagerin fühlt, hat keine Belohnung verdient, so rechnet das Programm. Selbstfürsorge ist aber die Basis. Sie ist der Grund, warum du Energie hast, warum du leisten kannst und warum du wirklich lebst, statt nur zu funktionieren. Du brauchst sie dir nicht zu verdienen.




Selbstfürsorge im Alltag beginnt beim Zusammenkneifen


Der erste Schritt ist Wahrnehmen. Merk, wenn in deinem Leben gerade wieder ein solcher Spülmaschinenmoment auftaucht. Mehr braucht es am Anfang nicht.


Am einfachsten geht das bei deinen absoluten Grundbedürfnissen. Die Schule hat dich dazu erzogen, nicht mehr auf deine innere Stimme zu hören, sondern nach der Uhr zu reagieren. Du leistest, bis Zeit für die Pause ist, und erst dann darfst du trinken. Das ist Aushalten, und du hast es früh gelernt.


Jetzt knüpfst du dieses Band neu. Trink, wenn du durstig bist. Geh, wenn du musst.Das klingt lächerlich klein, und genau dort lernt dein System etwas Grosses: Du hörst auf es.

Triff diese Entscheidungen bewusst. Sag dir dabei innerlich: Ich tue, was mir guttut. Was ich brauche, hat Vorrang.

Das ist deine neue innere Haltung. Am Anfang fühlt sie sich fremd an, und deshalb übst du sie, bis sie zu einer Selbstverständlichkeit wird.


Die Frage, die für mich jahrzehntelang die schwierigste war, heisst:

Was will ich wirklich? In der Küche ist die Antwort einfach. Die Spülmaschine ist halb ausgeräumt, und sie bleibt es. Geh aufs Klo.




Bis hierher hat dich deine Disziplin getragen. In meiner kostenlosen Masterclass zeige ich dir, was dich trägt, wenn sie nicht mehr genügt. Mittendrin machen wir zusammen eine Übung, für die du nur Papier und einen Stift brauchst.


Bleib auf deinem Weg.​

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Corinne Tolotto
Life Coach · Beratung zu Ernährung und Gesundheit

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