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Manifestation missverstanden: Wenn dein Kopf dich erschöpft, statt dich zu befreien

vor 10 Minuten
5 Min. Lesezeit
betende Hände beim Manifestieren, Blogbeitrag von LebeLagom


«Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.»

Rainer Maria Rilke



Der Megatrend heisst Manifestation: Dank deinem Mindset zu Erfolg, Gesundheit und Reichtum. Du musst nur fest genug daran glauben.


Also visualisierst du. Du stellst dir vor, wie es sein wird, wenn du es geschafft hast, und malst dir dein Traumbild in allen Details aus: Ich habe meinen Traumjob und meinen Traummann, wohne in meinem Traumhaus, bin finanziell frei, erfolgreich und glücklich.


Lehrbuchmässig machst du das am Morgen, noch im Bett, bevor du aufstehst. Am Badezimmerspiegel klebt ein Post-it mit deinen Affirmationen. Du wünschst es dir so stark, dass du alle Zweifel ausblendest und die Hindernisse ignorierst. Bloss nicht davon abbringen lassen.


Es ist anstrengend, permanent deine ganze Energie in dieses Zukunftsbild zu geben und währenddessen die Gegenwart auszuhalten. Sie fühlt sich falsch an, weil sie deinem Wunsch noch nicht entspricht und sich einfach nicht so verändert, wie du es willst. Also gibst du dir noch mehr Mühe und machst dein Bild noch genauer. Jetzt sitzt du an einem gläsernen Schreibtisch, dein Traummann heisst Mark, dein Traumhaus steht gleich neben dem Stadtpark, und auf dem Kontoauszug vor dir steht exakt die Summe, die du willst.


Je mehr du dich in dieses Bild hineingibst, desto unzufriedener wirst du mit deinem Leben und desto weiter rückt dein Wunsch weg. Woran liegt das? Die gängige, falsche Antwort lautet: Du hast es dir einfach nicht stark genug manifestiert.





Wenn Manifestation zur Falle wird


Ich selbst stecke gerade mitten in einem grossen Lebensumbruch. Zuerst habe ich die Unzufriedenheit ausgehalten. Dann habe ich mir meine Wünsche klargemacht, sie fest anvisiert und bin sogar dafür losgegangen. Den Preis habe ich bezahlt, immer und immer wieder: mit innerer Arbeit und äusseren Anpassungen. Ich bin über meinen Schatten gesprungen, habe mir neu Klarheit verschafft und bin wieder losgesprintet. Mit jeder Faser meines Körpers bin ich bereit für mein Wunschleben. Und weisst du was? Mein äusseres Leben ist immer noch nicht dort, wo ich es mir so sehnlichst wünsche.


Ich bin frustriert, ausgelaugt und weit weg von meiner Manifestation.


Deshalb hatte ich gestern eine Coachingsession mit meiner wunderbaren Kollegin Janina Heuser. (Ja, auch Coaches lassen sich coachen.) Dort ist mir klar geworden, wo die Krux liegt.


Die Manifestation ist ein Bild, das dein Kopf gemalt hat. Es ist begrenzt und vom Aussen geprägt. Es zeigt nur, was sich dein Verstand mit all seinen Grenzen überhaupt als Möglichkeit vorstellen kann. Aber ist es das, was dein Herz wirklich will? Was steckt hinter deiner Manifestation?


Ist Traummann Mark einfach nur da, damit du deine Angst, verlassen zu werden, nicht mehr spüren musst?


Will dein Herz eigentlich frei sein, leicht und ohne Verantwortung? Dann ist ein eigenes Haus genau die Bürde, die es nicht will.


Du wünschst dir finanzielle Fülle, und tief drin glaubst du, dass du nicht mit Geld umgehen kannst.


Dein Kopf ignoriert diese Widersprüche. Er reisst dich aus dem Moment und schliesst einen Pakt mit der Manifestation: Wenn ich das erreicht habe, dann beginnt mein Leben. Dann ist alles gut, und vor allem: Erst dann darf ich zufrieden sein. Ich nenne das die Wenn-dann-Falle.


Manifestation in diesem Stadium heisst: Du lebst nicht mehr wirklich, du wartest. Und jeden Tag bestätigt sich das Gefühl, nicht genug zu sein , weil das Ziel immer Zukunft bleibt und nie Gegenwart wird.




Was willst du wirklich?


Ich bin langsam ein alter Hase mit Coaching-Tools. Ich weiss, wohin eine Meditation führt, und die Antworten liegen schon bereit, bevor die Frage überhaupt gestellt ist. In der Meditation mit Janina merkte ich zum ersten Mal, dass ich gar nicht in Trance war. Mein Kopf gaukelte mir nur vor, er sei passiv.


Also zog ich innerlich die Notbremse. Ich verbot mir sämtliche Bilder. Keine Frage mehr nach dem nächsten Schritt zu meinem Zukunftsbild, kein Bild mehr davon, wie meine Zukunft zu sein hat. Ich radierte alles aus.


In dem Moment, als ich die Bilder losliess, wurde mein Herz schwer und traurig. Ich spürte Hoffnungslosigkeit, weil ich meine Ziele nicht erreichte. Und ich liess das alles zu. Es durfte einfach da sein, und ich sah es an. Es war okay, dass es so ist. Ich erlaubte mir sogar den Gedanken, dass mein Wunsch nicht in Erfüllung gehen muss, wenn das nicht mein Weg ist. Das klingt einfach. Aber wenn du jahrelang auf etwas hinmanifestiert hast, ist das ein Identitätsverlust. Ich konnte nur so tief hineingehen, weil ich wusste, dass Janina den Raum für mich hielt.


In diesem Zustand fragte ich mein erschöpftes, zerschmettertes Inneres: Was ist es, das du eigentlich willst? Und was kam als Antwort? Zuerst einmal nichts. Nicht überraschend, nachdem ich ihm so lange meine Kopfbilder übergestülpt hatte. Auch das hielt ich aus: dass mein Inneres gar nicht wusste, was es wollte.


Da wurde mir klar: Wie sollte meine Manifestation je Wirklichkeit werden, wenn mir die Basis fehlt?


Ganz leise stieg etwas auf. Kein Bild, kein Wort, eine Sehnsucht. All der Frust, die Erschöpfung und vor allem die Bitterkeit und Machtlosigkeit zeigten plötzlich in eine Richtung. Und ich wusste: Diesmal war ich wirklich in meinem Körper. Das war keine Kopfentscheidung.


Ich wollte Freude.


Ein Prickeln lief durch meinen Körper, Wärme breitete sich von meinem Brustkorb aus, und mit der Lebenslust kam Energie zurück.


Jahrelang hatte ich mir verboten, einfach zu sein. Ich habe nicht einmal gemerkt, wie fest ich im Kopf war, um mich unter Kontrolle zu halten und mich zu unterdrücken, damit ich funktioniere.


Und das Perfide daran: Ich dachte, mit der Manifestation würde ich mir helfen. Doch sie legte mir ein Zaumzeug an.




Manifestation neu verstanden: Lagom als Wegweiser


Die Welt ist gerade im Umbruch. Alles wackelt, nichts ist mehr sicher. Was sich mein Kopf in solchen Zeiten mehr als alles andere wünscht, ist Sicherheit, Absehbarkeit, eine Garantie. Genau das wollte ich mit dem Manifestieren erreichen. Jetzt gebe ich es auf, alles mit dem Kopf steuern zu wollen.



Für den Moment, solange ich so ziellos bin, halte ich mich an eins: Lagom. Lagom fragt: Was ist jetzt gerade wichtig? Was brauchst du wirklich? Das ist mein Wegweiser. Der Moment, in dem ich meinen Körper wieder und wieder frage, was er braucht und was er will.


Und wenn es gerade Freude ist, dann brauche ich dafür nicht zwingend das Haus. Ein Gefühl kannst du nicht in der Zukunft haben. Ich brauche die Verbindung zu meinem Körper: spüren, dass ich bei ihm bin, ihn sehe und anerkenne. Und manchmal ein Stück Schokolade. Damit ich nicht permanent im Zusammenreissen und in der Zukunft feststecke.



Dieser Zustand ist nicht für immer. Und ich verteufle Manifestation nicht. Ich habe nur für mich verstanden, dass sie aus meiner Intuition kommen muss und nicht aus meinem Kopf. Ich hoffe, dass bald wieder ein Bild hochkommt, eine Richtung, damit ich nicht weiter ziellos vor mich hin lümmle. Denn diese Ungewissheit auszuhalten, fordert alles von mir.



Aber was, wenn ich genau das gerade brauche? Ist es ein Scheitern, wenn ich jetzt lebe und fühle, was ich die ganze Zeit erreichen wollte, nur weil es auf eine andere Art geschieht?


Meine alte Manifestation hat mich innerlich klein gehalten. Ich und mein Leben, so wie wir waren, waren nicht gut genug. Deshalb durfte ich es nicht leben.


Jetzt darf ich. Auch ohne Bild. Es hat nur meine eigene Erlaubnis gebraucht.




Wenn du mehr über die Wenn-dann-Falle erfahren willst:



Du willst lieber gleich herausfinden, ob deine Manifestation aus dem Kopf oder aus dem Herzen kommt?

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Corinne Tolotto
Life Coach · Beratung zu Ernährung und Gesundheit

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