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Die längste und schönste Reise deines Lebens

vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit
Frau steht im Schatten vor einem grossen Aquarium mit Schiffswrack, Rochen und Fischschwarm und legt die Hand an die Scheibe, ein Moment der Achtsamkeit.
«Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe, als in deiner besten Weisheit.»

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra



Die längste und gleichzeitig schönste Reise, die du in deinem ganzen Leben machen wirst, ist die vom Kopf in den Körper.


Die Welt, in der du lebst, ist leistungs- und kopflastig. Sie belohnt, was zählbar, planbar und vorwärtsgerichtet ist. Eine Zeit, die tickt, kalkuliert und funktioniert. Der Mensch als Maschine: optimiert, verlässlich, im Einsatz. Und du funktionierst darin bestens und kennst nur eine Richtung: vorwärts.


Du erreichst Ergebnisse, wirst belohnt und gelobt. Und dann kommt dieser seltsame Moment: Du streichst den letzten Punkt auf deiner Liste durch, den Stift noch in der Hand, und statt Freude ist da nur ein kurzes Gefühl von Verlorensein. Denn eigentlich kennst du nur das eine: auf ein Ziel hinarbeiten. Also suchst du schnell das nächste, und schon bist du wieder auf Kurs, in der Erwartung, auch dieses Ziel zu erreichen.


Du hast deine Abläufe perfektioniert, deine Planung optimiert und durchgetaktet. Aber in dir drin lässt sich eine Frage immer schwerer wegdrücken: Soll das mein Leben sein?


Du machst. Aber du fühlst nichts mehr. Du trägst Verantwortung, musst planen und den Überblick behalten, und präsent bist du dabei nicht. Was fehlt, ist das Sein.




Der Preis im Kleingedruckten


Deine perfekte Organisation hatte einen Preis. Er stand im Kleingedruckten, und du hast ihn wahrscheinlich überlesen: Optimal funktionieren kannst du nur, wenn du konstant im Leistungsmodus bist. Und in diesem Modus gibt es etwas nicht, das für das Menschsein essenziell ist: Gefühle.


Das ist kein Fehler von dir. Du hast dich den Erwartungen der Welt angepasst, und zwar ziemlich gut. Genau so zu funktionieren wird gefördert, gelobt und ganz besonders von Frauen erwartet.


Die alten Griechen hatten für diese tickende Zeit einen Namen: Chronos. Er ist bis heute der Regent der modernen Zeit. Doch sie kannten noch einen Zweiten, der heute oft in Vergessenheit gerät: Kairos. Er steht für die Qualität des Moments, und die ist flüchtig und nicht so einfach zu fassen: Lebendigkeit, Sein, Verbindung. Sie bedeutet für jeden Menschen und in jedem Moment etwas anderes. Genau das macht sie so schwer greifbar, und genau deshalb wird sie so oft übergangen.


Und du spürst, dass dir genau diese Zeit fehlt. Du jagst deinen Zielen nach, den Blick immer in der Zukunft, und übersiehst dabei, was du dir eigentlich von ganzem Herzen wünschst: dass dein perfekt optimiertes Zeitgerüst mit Leben gefüllt wird. Du wünschst dir Kairos.




Struktur, die atmen kann


Heisst das jetzt, du sollst dein Zeitgerüst einreissen und alles hinwerfen? Ganz und gar nicht. Struktur braucht es. Aber sie muss elastisch genug sein, damit sich die Energie darin bewegen kann.


Denk an deine Blutbahnen: Je härter die Arterienwände werden, desto schwerer kommt das Blut hindurch und mit ihm deine Lebensenergie. Die instinktive Reaktion des Körpers darauf: mehr Druck, mehr Zwang. Und damit die Arterien diesen Druck aushalten, werden sie noch härter. Eine Abwärtsspirale.


Kommt dir das bekannt vor? Wenn es in deinem Alltag stockt, drückst du auch einfach noch ein bisschen stärker.


Gleichzeitig braucht es die klare Wandstruktur. Ohne sie würde das Blut einmal im Körper herumwabern und nie mehr zurückfinden. Ein kurzes, chaotisches Leben.


Es geht also nicht um Struktur oder Leben. Es geht um das richtige Mass zwischen beidem. Und genau dabei kann dich Lagom leiten.




Der erste konkrete Schritt: Achtsamkeit im Alltag


Du wünschst dir, wieder fühlen zu können? Das gelingt dir nicht mit dem Kopf, das geht nur über deinen Körper. Aber wie kommst du dorthin, wenn du dich so lange von ihm abgeschnitten hast?


Das Gute ist: Die Verbindung ist immer noch da. Du darfst sie nur wieder wahrnehmen. Eines der einfachsten Mittel dazu ist dein Atem.


Die meisten Menschen atmen nur oberflächlich, oft durch den leicht geöffneten Mund und mit angespanntem Bauch, damit er schön flach wirkt. Diese Übung macht genau das Gegenteil. Sie ist Achtsamkeit im Alltag in ihrer einfachsten Form, denn du brauchst dafür nichts als diesen Moment. Probier sie gleich jetzt aus, während du liest.



  1. Atme stark und bewusst durch die Nase ein und spüre dabei den kühlen Luftstrom an deiner Nasenspitze. Achte darauf, wie sich deine Rippen nach aussen dehnen. Dann zieh den Atem noch weiter hinunter und wölbe deine Bauchdecke richtig übertrieben nach aussen. Fülle dich auf wie ein Fass.

  2. Halte den Atem für fünf Herzschläge an.

  3. Lass die Luft nun von unten nach oben herausströmen. Spür, wie dein Bauch wieder flacher wird, ohne dass du ihn anspannst, und wie sich deine Rippen zusammenziehen.

  4. Halte kurz inne und geniesse die Leere.

  5. Wenn der Impuls kommt, atme wieder ein.



Mach vier Durchgänge, nicht mehr.

Wird dir dabei schwindlig, atme einfach normal weiter.


Willkommen in deinem Körper.




Dein Körper kennt die Jahreszeiten


Dein Körper lebt nicht nach dem Terminplaner. Er folgt Rhythmen, nach denen kein Kalender fragt, und einer der ältesten davon ist der Wechsel der Jahreszeiten.


Als ich diesen Text geschrieben habe, war Mitte Oktober, und die dunkle Jahreszeit begann. Die Kelten haben diesen Übergang als Samhain gefeiert. Draussen zieht sich die Natur zurück, und auch in dir wächst die Sehnsucht nach Ruhe und Einkehr. Samhain ist mehr als ein Datum im Kalender. Es ist genau so ein Moment, den die alten Griechen Kairos genannt haben.


Wenn du diese Zeitqualität wieder in dein Leben aufnehmen willst, dann schau dir mein Samhain-Bundle «Gut versorgt in die dunkle Jahreszeit» an. Es kann dein nächster bewusster Schritt sein, vom Kopf in den Körper und vom Terminplaner ins Leben.




Bleib auf deinem Weg.​

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Corinne Tolotto
Life Coach · Beratung zu Ernährung und Gesundheit

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