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Leistungsdruck loslassen: Wie Astrid zurück zu ihrer weiblichen Kraft fand

vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit
Sandskulptur von Frau, Symbolisch für weibliche Kraft, LebeLagom


Vor sechs Monaten habe ich ein Zoomgespräch eröffnet. Mir gegenüber sass eine lächelnde Frau Ende dreissig, weisses T-Shirt, gut vorbereitet – wie auf alles in ihrem Leben. Kugelschreiber, Notizblock, ein eigener Fragenkatalog für mich. Selten bin ich so strukturiert durch die Vorgeschichte einer Klientin geführt worden.



Eine Frau, die alles „richtig" gemacht hatte


Nennen wir sie Astrid. Ehrgeizig, klar, sie wusste genau, wo sie hinwollte. Beruflich hatte sie es geschafft: eine zwei-Frauen-starke Firma, erfolgreich geführt zusammen mit einer Freundin. Privat vor acht Jahren einen wundervollen Mann gefunden, kurz danach eine Tochter bekommen. Die gemeinsame Wohnung in einem ruhigen Quartier, guter Lage. Die Checkliste, was man in seinem Leben alles schaffen sollte – bei Astrid war sie abgehakt.




Die Entscheidung, die niemand verstand


Nach drei Jahren Ehe entschloss sich Astrid zur Trennung. Nicht weil ihr Mann plötzlich nicht mehr nett gewesen wäre. Nicht weil er fremdgegangen wäre. Es gab keinen Grund, den man von aussen hätte sehen können. Ihr Freundeskreis, ihre Familie – niemand konnte es fassen. Dieses perfekte Paar, und jetzt das?

Astrid hat es trotzdem getan. Gesittet, harmonisch, kultiviert wurde alles geregelt. Noch heute hat sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Ex-Mann. Wenn Astrid etwas macht, dann sauber, effizient, auf alles bedacht. Sie hatte für alle mitgedacht – Exmann, Tochter, Freunde – und überall so gehandelt, dass es dem Gegenüber möglichst gut ging.


Ich habe sie gefragt, warum. Sie meinte:

„Ich habe alles getan, was man halt tut. Aber für mich war es nicht richtig. Es war nicht mein Leben, das ich dort hatte. Ich war nicht authentisch und mir selbst gegenüber nicht inhärent. Seit fünf Jahren arbeite ich an mir selbst, habe so viel entdeckt, gelöst und transformiert, ich mache sogar gerade eine Weiterbildung, weil ich auch in meiner Firma nicht mehr glücklich bin, mehr für meine Geschäftspartnerin arbeite, es erfüllt mich nicht mehr."


„Das klingt alles, als wärst du auf Kurs und wüsstest, was du willst, Astrid. Was erhoffst du dir von einem Coaching bei mir?"

„Ich bin seit fünf Jahren dran, an mir selbst zu arbeiten. Was ich aber nicht durchbrechen kann, ist mein Leistungsdruck. Er treibt mich an, und das will ich nicht mehr. Ich will nicht mehr performen. Ich will weicher sein, intuitiv handeln, nicht nur aus Logik Entscheidungen treffen. Ich habe alle meine bisherigen Entscheidungen darauf getroffen, dass sie ‚vernünftig' sind. Ich will nicht mehr vernünftig sein und immer zurückstehen, weil es vernünftig ist, dass ich einen freundschaftlichen Draht zu meinem Ex pflege. Ich will nicht immer alles alleine machen, weil es vernünftig ist – weil Erklären mehr Zeit kostet, als es sofort selbst zu erledigen. Ich lebe meine weibliche Kraft nicht."


Was Astrid wirklich wollte: nicht mehr vernünftig sein


Mit diesem Satz hatte Astrid mir schon die halbe Analyse abgenommen. Ich bewunderte diese Frau. Was für ein Mut. Für sich selbst losgehen, wenn von aussen alles dagegenspricht – wenn das Leben doch so perfekt aussieht. Auf seinen Instinkt hören, dem Gefühl vertrauen, dass etwas nicht stimmt – und trotz aller Hürden weitermachen.


Astrid hatte längst selbst an sich gearbeitet, das merkte man an jedem Satz. Niemand kommt von sich aus auf die Idee: „Ich lebe nicht meine weibliche Kraft." Sie war so weit gegangen, wie sie allein gehen konnte. Diesen einen Knoten in sich konnte sie nicht mehr allein lösen.


Und genau darum ging es in diesem Moment: nicht mehr, ob ein Coaching überhaupt Sinn macht, sondern warum Astrid ihre weibliche Seite stärken sollte – und was ihr das bringen würde. Die Entscheidung dafür hatte sie längst getroffen. Sie kam nicht zu mir, um sich noch überzeugen zu lassen. Sie kam, weil sie allein nicht mehr weiterkam. Wer war ich, eine solche Motivation zu bremsen? Ich fühlte mich geehrt – und so begann unsere gemeinsame Reise über die nächsten sechs Monate.


Wir turnten durch mein ganzes Repertoire an Coachingtools: systemische Aufstellung, Embodiment, Meditationen, Identity Loop – ich höre mit der Aufzählung auf.

Astrid hatte es so perfektioniert, in ihrem Verstand zu sein, dass wir fast alle davon brauchten, um dieses Muster überhaupt anzukratzen. Das Ziel war nie, ihren Kopf auszuschalten. Sondern dass sie sich selbst erlaubte, wieder ins Fühlen zu kommen, statt ihre Innenwelt zu deckeln.


Wie eine Zwiebel kam immer eine Schicht mehr hervor. Das soll nicht abschrecken – das ist der einzig richtige Weg. Nichts kann einfach aus dem Leben geschnitten werden. Leisten-müssen war ein Teil von Astrid, und im Grunde nichts Schlechtes. Es hat ihr viel geholfen. Nur an diesem einen Punkt, wo sie sich ein Gleichgewicht wünschte zwischen Angriff-nehmen und Vertrauen, stand es ihr im Weg.




Die Wurzel: eine Mutter, die sie nie werden wollte


Wenn es um die weibliche Kraft geht, ist der Schlüssel meist die Prägung der Eltern. Auch bei Astrid. Sie hat ihre Mutter immer als passiv, jammernd, schwach erlebt. Ihre Mutter zelebrierte das Opfer-Sein: alle anderen waren schuld an ihrer Misere, sie selbst konnte nichts ändern.

Unterbewusst hat Astrid gemacht, was wir alle tun: Wenn wir unsere eigene Mutter anschauen, sehen wir, was typisch weiblich ist, und speichern es ab. Das eine: gut, davon will ich möglichst viel. Das andere: schrecklich, damit will ich nichts zu tun haben. (Für den Vater und die männliche Kraft gilt übrigens dasselbe.)


Du hast es vermutlich erraten: Astrid hatte mit sich selbst einen Pakt geschlossen. „Ich werde alles tun, um auf keinen Fall wie meine Mutter zu werden." Also lebte sie auf rein rationaler Ebene – traf Entscheidungen aus Logik und Vernunft, verbot sich, je von irgendwem Hilfe anzunehmen, aus Angst, dann abhängig zu sein, ein Opferdasein zu fristen. Passivität und Erholung waren verboten. Es musste geleistet, gemacht werden. Selbstständigkeit war der Schlüssel zum Ziel. Und das unausgesprochene Ziel: Ich darf nicht sein wie meine Mutter.


Das war der leichte Teil – das Verstehen, woran es lag. Der schwere Teil: das zu ändern, aus Gewohnheiten und Denkmustern auszubrechen. Ein harziger Prozess für ein Ego, das auf Erfolg getrimmt war und nun akzeptieren musste, dass nicht alles sofort ein Ergebnis zeigt. Aber Astrid blieb dran. Das tiefe Warum in ihr brannte.


In jedem von uns sind beide Aspekte vorhanden: männliche und weibliche Kraft. Beide lassen sich gesund oder schädlich leben. Mit dem Aufdecken dieses verborgenen Glaubenssatzes – und seiner Transformation, dass Weiblichkeit etwas Gutes sein kann – war die Schale durchbrochen. Schritt für Schritt konnte Astrid ihr inneres Band stärken.



Eine kleine Übung für dich


Bevor du weiterliest: eine Frage, ganz ohne Kopf beantwortet. Leg kurz eine Hand auf deinen Bauch.


Wo in deinem Leben triffst du gerade eine Entscheidung, weil sie „vernünftig" ist – obwohl sich in dir etwas anderes meldet?


Du musst nichts ändern. Nur kurz hinspüren.



Die Reise, nicht das Ankommen


Ich bin stolz, Astrids Geschichte erzählen zu dürfen. Sie ist noch nicht dort, wo sie sein will – und darum geht es auch nicht. Sie ist auf ihrem Weg. Um die Reise geht es, nicht ums Ankommen.


Das anfängliche Einzelkämpfertum, alles allein schaffen zu müssen, kenne ich von mir selbst und von vielen Kundinnen. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Aber es hat Grenzen. Jeder Mensch hat sich selbst gegenüber blinde Flecken – die brauchen wir sogar, um nicht wahnsinnig zu werden. Aber um an sie heranzukommen, brauchen wir ein Gegenüber. Astrids Geschichte hat mir das wieder gezeigt. Vielleicht spreche ich in meiner nächsten Session als Coachee selbst darüber.


Vielleicht fragst du dich gerade selbst, ob Coaching für dich das Richtige wäre.



Wenn auch du Lust auf Veränderung hast: Melde dich zum kostenlosen Kennenlerngespräch an.


In 15 Minuten lernen wir uns kennen und entscheiden danach, ob eine gemeinsame Weiterarbeit passt.

Du gehst den Weg nicht allein.


Entdecke deinen inneren Begleiter – und danach, alle zwei Wochen, das, was wirklich hilft.

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