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Aus einem Riesen geformt – der Anfang der Welt war dein Anfang

  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
Urriese Ymir aus der Edda formt die Welt. Illustration von Lebelagom

Hast du dich jemals mitten im Alltag verloren gefühlt? Nicht körperlich – sondern innerlich. Als würdest du funktionieren, Aufgaben abhaken, von Termin zu Termin hetzen – und dich dabei fragen: Bin das eigentlich noch ich?


Die nordische Mythologie kennt dieses Gefühl – und hat eine Erklärung dafür, die älter ist als jede Psychologie.


Sie beginnt vor der Zeit selbst.




Am Anfang war die Leere – die nordische Schöpfungsgeschichte


Bevor es Götter gab, bevor es Menschen gab, bevor es überhaupt etwas gab – war Ginnungagap. Die gähnende Leere. Ein Nichts, so tief und still, dass selbst das Schweigen darin versank.


Aus dem Norden drang beissende Kälte herein, aus dem Süden loderndes Feuer. Wo beide aufeinandertrafen, entstand aus Eis und Glut das erste Wesen: Ymir. Ein Urriese, roh und gewaltig, aus dem Chaos selbst geformt.


Ymir war nicht böse. Er war einfach – ursprünglich. Ungeformt. Ein Rohstoff der Welt, der noch nicht wusste, was er werden sollte.


Die drei Brüder und der Anfang von allem

Odin, der Allvater, hatte zwei Brüder: Vili und Vé. Drei Götter, eine Entscheidung, die alles verändern sollte.


Sie töten Ymir.


Nicht aus Hass. Nicht aus Grausamkeit. Sondern weil in ihm die ganze Welt schlummerte – und sie sie befreien wollten.


Was folgt, ist das grösste Schöpfungswerk der nordischen Mythologie.




Ymir: Wie aus einem Riesen die Welt wurde


Aus Ymirs Fleisch formten sie die Erde. Aus seinem Blut die Meere und Seen. Seine Knochen wurden zu Bergen, seine Zähne zu Felsen, sein Haar zu Bäumen und Wäldern. Seinen Schädel wölbten sie zum Himmel über die Welt. Seine Gedanken – sein Hirn – zogen fortan als Wolken darüber hinweg.


Und aus seinen Augenbrauen bauten sie einen Schutzwall um das neue Land. Einen Ort für die Menschen. Sie nannten ihn Midgard – die mittlere Welt.


Wie im Grossen, so im Kleinen


Hier liegt etwas Tiefes verborgen, das über Mythologie weit hinausgeht.

Die Erde ist nicht aus dem Nichts entstanden – sie ist aus einem Wesen gemacht. Aus Fleisch und Blut und Knochen. Wenn du heute mit den Füssen auf dem Boden stehst, stehst du auf Ymir.


Und du selbst? Du bist aus derselben Erde gemacht. Dein Körper trägt dieselben Mineralien wie der Fels, dasselbe Wasser wie das Meer, denselben Ursprung wie der Wald. Das ist keine Poesie – das ist Biochemie. Und es ist Mythologie. Und beides erzählt dieselbe Wahrheit:

Du bist nicht getrennt von der Welt. Du bist ein Teil von ihr.



Ask und Embla: Die Geburt des Menschen in der nordischen Mythologie


Odin, Vili und Vé streiften durch die neu geschaffene Welt, als sie am Strand zwei Bäume fanden. Eine Esche. Eine Ulme. Aufrecht, still, lebendig – und doch nicht mehr als das.

Die drei Götter traten vor sie hin und schenkten ihnen alles, was einen Menschen ausmacht.


Odin hauchte ihnen Leben ein. Den Atem. Den Funken.


Vili gab ihnen Verstand und Bewegung. Die Fähigkeit zu denken, zu wollen, zu handeln.


Vé öffnete ihre Sinne. Hören, Sehen, Sprechen, Fühlen – sieben Gaben insgesamt, damit

sie die Welt nicht nur bewohnen, sondern wirklich erleben konnten.


Aus der Esche wurde Ask. Aus der Ulme Embla. Der erste Mann. Die erste Frau.

Und Midgard – die Welt aus Ymirs Augenbrauen – war ihr Zuhause.

Sie wurden nicht in eine fertige Welt gesetzt, in der alles erklärt und geregelt war. Sie wurden hineingestellt, ausgestattet mit Sinnen und Verstand, und durften selbst herausfinden, was es bedeutet, Mensch zu sein.




Wenn wir die Gaben der Götter vergessen


Vili gab dir den Verstand. Das ist ein Geschenk – und gleichzeitig eine Versuchung.


Denn der Verstand plant. Der Verstand analysiert. Er denkt, durch das Verstehen warum oder wie etwas funktioniert, könne man es beherrschen. Und dann kommt der Moment, wo der Verstand Einfluss nimmt: optimiert. Immer weiter und weiter dehnt er sich aus, will mehr Kontrolle über alles andere. Zuerst wird es anstrengend, dann überfordert es.


Vé gab dir sieben Sinne. Ein Geschenk, das längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Wann hast du sie zuletzt wirklich benutzt? Nicht funktional – achtsam.


Das Gewicht eines Atemzugs gespürt. Den Geschmack einer Mahlzeit wirklich wahrgenommen. Die Wärme der Sonne auf der Haut als das erlebt, was sie ist: deine Verbindung zur Welt.


Wenn der Verstand überhand nimmt, ist dein inneres Gleichgewicht aus der Balance geraten. Du lebst in einem theoretischen Geflecht, anstatt dich und deine Umgebung zu erleben. Du funktionierst nur noch und fühlst nicht mehr. Du wirst zu einer Maschine. Alle drei Geschenke der Götter sind gleich wichtig. Und zwischendurch brauchen wir die Erinnerung daran, dass wir nicht nur ein Teil von Ymir sind, sondern aus ihm gemacht.




Der Weg zurück zu dir


Die gute Nachricht: Auch wenn es sich im Moment so anfühlt, als wäre alles verloren – das ist nicht der Fall. Die Verbindung ist nie weg. Sie wartet nur. Auf dich. Bis du wieder soweit bist, Vés Geschenk bewusst wahrzunehmen.


Und sie lässt sich am einfachsten dort wiederfinden, wo Vé sie ursprünglich verankert hat – im Körper. Im Spüren. Im Moment.


Das schreibe ich nicht einfach, weil es schön klingt, sondern weil ich es selbst erfahren durfte – oder ehrlicher gesagt: musste.


In meinem Studium wurde der Verstand geehrt, auf ein Podest gehoben. Ihm wurde alles untergeordnet. Wissen ist Macht – der Leitsatz. Und als Studentin war mein Lebenssinn: lernen. Also tat ich genau das. Tagein, tagaus. Egal ob überhaupt noch etwas in meinem Kopf Platz hatte, ich sass in der Bibliothek und starrte auf die Buchseiten.


Wenn mein Körper müde war, zwang ich ihn weiterzumachen. Sonst hätte ich ja meine Legitimität verloren – und das durfte einfach nicht sein.

Ich war also selbst zu einer Maschine verkommen, und irgendwann machte sich der Verschleiss bemerkbar. Zum Glück, kann ich heute sagen. Denn das war der Wendepunkt: Ich gestand mir ein, dass mein Leben aus mehr als Lernen bestehen soll und darf. Und begann wieder, weniger zu denken und mehr zu fühlen. Denn das ist der Schlüssel: wieder ein inneres Gleichgewicht zu schaffen zwischen Verstand und Körper.


Und das funktioniert nicht durch mehr Nachdenken. Nicht durch einen weiteren Plan. Sondern durch das Gegenteil: Innehalten. Atmen. Fühlen, dass du einen Körper hast – nicht nur einen Kopf.


Mockup zum Onlineprgramm Odins Weg von Lebelagom weg vom Dauerfunktionieren und Mentalload hin zu Leichtigkeit

Genau aus dieser Erfahrung ist Odins Weg entstanden: ein neuntägiges Programm, das dich über bewusste Körperübungen aus dem Dauerfunktionieren herausholt und zurück in die Verbindung bringt – zu dir, zu deinem Körper, zur Welt, aus der du gemacht bist.


Du musst nicht neu erschaffen werden. Du bist bereits aus den richtigen Dingen gemacht.


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