top of page

Trolle: Naturgeister zwischen Legende, Landschaft und heutiger Wahrnehmung

  • ctolotto
  • 19. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Jan.


«Troll, sei dir selbst genug!»

Henrik Ibsen, Peer Gynt



Kennst du das Gefühl, wenn du längere Zeit in der Natur bist und sich deine Wahrnehmung langsam verändert?

Die Sinne werden weiter, Geräusche klarer, der Boden unter den Füssen spürbarer. Vielleicht entsteht dabei diese leise Gewissheit, dass da mehr ist, als sich messen oder benennen lässt. Wälder, Berge, Felsen und Gewässer tragen eine eigene Stimmung in sich – fast wie ein Gedächtnis, älter als jedes Dorf und jede Strasse. Wenn du unter grossen Bäumen gehst oder an haushohen Felsblöcken vorbeiwanderst, stellt sich oft ein Gefühl von Demut ein: Du bist ein kleiner Teil einer sehr grossen Welt.



Aus genau dieser Wahrnehmung heraus entstanden in vielen europäischen Kulturen die Erzählungen von Naturgeistern. Sie waren nicht einfach plumpe Erklärungen für Unerklärliches. Vielmehr spiegelten sie ein tiefes Erleben des Rhythmus und der Kraft der Natur wider. Indem man diesen Kräften Namen gab und sie in Geschichten fasste, entstanden zugleich Regeln für einen respektvollen Umgang mit der Umwelt.


Je nach Landschaft nahmen diese Naturwesen unterschiedliche Formen und Charakterzüge an. Unter ihnen nehmen die Trolle eine besondere Stellung ein. In Norwegen verschmelzen sie in vielen Erzählungen beinahe mit der Landschaft selbst, besonders in den Fjordregionen. Dort gelten bestimmte Felsformationen als schlafende Trolle – gewaltige Gestalten, die eher mit Riesen verwandt sind.


In Schweden hingegen leben Trolle oft näher bei den Menschen und kreuzen deren Alltag. Vor allem Trollweibchen sind auf den ersten Blick manchmal kaum von Menschenfrauen zu unterscheiden. Sie mischen sich sogar unter menschliche Feste. Was man allerdings niemals tun sollte, ist, sie blosszustellen. Erkennt man ein Trollweibchen – etwa weil ihr Schwanz unter dem Kleid hervorschaut –, gewinnt man ihre Gunst, wenn man ihr leise zuflüstert, ihr Rock sei etwas verrutscht.


Oft nehmen Trolle die Gestalt ihres Wohnortes an: Haut in den Farben von Moos, Stein oder Wasser, Körper blockartig, holzig verwachsen. In alpinen Überlieferungen finden sich ähnliche Wesen, manchmal unter anderen Namen, aber mit vergleichbaren Eigenschaften. Sie gelten als scheu, eigenwillig, empfindlich gegenüber Störungen und als mächtig innerhalb ihres Gebietes.



Die Beziehung zwischen Trollen und Menschen ist in den Erzählungen selten eindeutig gut oder böse. Sie ist geprägt von Vorsicht, Respekt und von Grenzüberschreitungen, die Folgen haben. Menschen, die achtlos handeln, Bäume fällen, Quellen verschmutzen oder Steine entwenden, ziehen den Zorn der Trolle auf sich. Andere wiederum, die leise sind, aufmerksam bleiben oder kleine Gaben zurücklassen, erfahren Schutz, Hilfe oder unerklärliches Glück. Diese Geschichten erzählen weniger von Angst vor fremden Wesen als von einem tiefen Bewusstsein für das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt. Eine wichtige Regel lautet zudem: Isst man von den Speisen eines Trolls, gerät man unter seine Macht.


Dass solcher Aberglaube entstehen konnte, überrascht kaum, wenn man bedenkt, wie stark frühere Generationen vom Rhythmus der Natur abhängig waren. Unwetter, Erdrutsche, Missernten oder rätselhafte Krankheiten hatten direkte, existenzielle Auswirkungen. Die Vorstellung von unsichtbaren Wesen in der Landschaft gab diesen Ereignissen ein Gesicht und eine Bedeutung. Gleichzeitig entstand daraus eine Art Umweltethik. Wer glaubte, dass Felsen, Wälder und Gewässer bewohnt sind, behandelte sie mit Vorsicht und Aufmerksamkeit.


Auch heute, im Zeitalter von Satellitenbildern und Messinstrumenten, lässt sich diese alte Wahrnehmung wiederfinden. Wer sich bewusst auf einen Ort einlässt, ihn nicht nur betritt, sondern wirklich beobachtet, spürt oft, dass Landschaft mehr ist als Kulisse. Die Geschichten von Trollen und anderen Naturgeistern öffnen einen Zugang zu diesem Empfinden. Sie erinnern daran, dass wir nicht getrennt von unserer Umgebung existieren, sondern in ständigem Austausch mit ihr stehen.




Trollillustration Skizze Pilzgesicht, Künstlerin C Tolotto
Trollillustration Schlafender Steintroll auf Moos, Künstlerin C Tolotto

In meinen Farbstift-Illustrationen greife ich diese Verbundenheit zur Natur auf. Auf meinen Streifzügen entdecke ich Orte, die bereits Gesichter oder Körper andeuten. Diese dienen mir als Ausgangspunkt für meine Bilder. Felsblöcke fügen sich zu Körpern, ein Pilz wird zu einem Gesicht, unter einem Hügel schläft ein Riese. Haut ist von Moos überwachsen, Wurzeln ziehen sich wie Adern über den Leib.

Wenn wir uns auf diese Anderswelt einlassen – nicht als Flucht, sondern als Erweiterung unseres Blicks –, entsteht eine stille Form der Verbundenheit. Eine Erinnerung daran, dass wir Teil eines grösseren Geflechts sind, in dem jedes Wesen, sichtbar oder unsichtbar, seinen Platz hat.




Möchtest du in die Welt der Trolle eintauchen?



Entdecke hier meine stetig wachsende Sammlung an Trollillustrationen.





Es sind noch weitere Naturgeister-Serien geplant. Trage dich jetzt zum Newsletter ein und erfahre als Erste von Neuveröffentlichungen.

Lebe mehr Lagom

und bewirke mit kleinen Veränderungen im Alltag Grosses.

Melde dich für den Newsletter an und erlebe, wie sich 'genau richtig' anfühlt.

Du erfährst als Erste von aktuellen Angeboten, neuen Artikeln und bekommst Alltagsimpulse, die dein Leben leichter und gesünder machen.

© 2023 lebelagom. Alle Rechte vorbehalten.

© 2025 by lebelagom. Powered and secured by Wix

 

bottom of page