Samhain – Das Fest des Übergangs
- ctolotto
- 6. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.
Samhain Bedeutung: Ursprung, Rituale und die Verbindung zur schwedischen Lebensweise Lagom

Wir ehren heute die Kette des Lebens, der wir entsprungen sind. Wir sind ein verwobener Faden im Gewebe unserer Ahnen – und nehmen dieses Erbe hier und heute an.
Der Mensch ist Teil der Natur. Jahrtausendelang hat ihr Rhythmus das Leben des Menschen gelenkt und geprägt. Mit der industriellen Revolution, der Entstehung von Großstädten und der Elektrizität konnte sich der Mensch zunehmend vom natürlichen Zyklus lösen und sich ganz seinem Vorwärtsstreben widmen. Die männliche Kraft – schneller, weiter, höher– wurde verherrlicht. Zeiten der Einkehr und Regeneration, typische weibliche Energien, galten als Schwäche, wurden vermieden oder gar verboten.
Doch es braucht beides. Die Welt verläuft in Kreisläufen – im Großen wie im Kleinen. Wir müssen einatmen, um auszuatmen. Wir müssen uns erholen, um leisten zu können. Wir müssen geboren werden, um sterben zu dürfen.Im Herbst werden die Nächte länger, die Dunkelheit bricht herein. Es ist die Zeit der Einkehr. In der Natur sehen wir, wie die Bäume ihr Laub fallen lassen und ihre Kraft in die Wurzeln ziehen. Es ist die Zeit des Rückzugs in sich selbst und der Regeneration.
Die moderne Welt verhindert diesen Impuls oft. Die Hektik zum Jahresende ist deutlich spürbar: Noch einmal Vollgas geben, planen, vorbereiten, feiern. Die Zeit ist vollgepackt mit Verpflichtungen und Anlässen.
Wenn du tief in dir spürst, dass du das nicht mehr willst, bist du hier richtig. Tauche ein in die Zeit von Samhain, dem ursprünglichen Fest zum Beginn der Winterzeit, und entdecke eine Möglichkeit, die Energie der Welt auch heute bewusst zu leben.
In diesem Beitrag erfährst du:
1. Der Ursprung von Samhain
Der Name Samhain stammt aus Irland und hat keltischen Ursprung. Übersetzt bedeutet er „Sommerende“. Ursprünglich gehörte Samhain zu den vier Mondfesten und wurde am elften Vollmond nach der Wintersonnenwende gefeiert. Durch die Christianisierung wurde das Fest jedoch an den solaren Kalender angepasst und trägt heute das Datum des 31. Oktobers. Auch im kontinentalen Europa feierte man zu dieser Zeit das Ende der Sommerzeit.
Ein typisches Beispiel sind die Alpabzüge: Das Vieh kehrt aus der Wildnis heim. In dieser wichtigen Übergangszeit achteten unsere Vorfahren besonders darauf, das Heim zu schützen. Die Wildnis galt als gefährlich – die Grenze war klar gezogen. Der Hof war von Zäunen und Hecken umgeben, meist von Dornengestrüpp wie Brombeeren, Weißdorn oder Hagebutten.Letztere tragen den Wortteil „Hage“ oder „Haga“ in sich – derselbe Wortstamm findet sich auch in „Hagazussa“, der alten Bezeichnung für die Hexe. Eine Haga war eine Zaunsitzerin, eine Weltenwandlerin, eine weise Frau, die zwischen der magischen Wildnis und der domestizierten Zivilisation hin- und herpendeln konnte.
Nicht nur das Vieh kam im Herbst aus der Wildnis zurück. Auch die Feldarbeit war abgeschlossen, und die Menschen zogen sich näher ans heimische Feuer zurück – das Leben richtete sich nach innen.
Der Brauch von „All Hallows’ Eve“ wurde später von Irland nach Amerika gebracht. In der Nacht vor Allerheiligen verteilte man kleine Kuchen an Bettler, damit sie für die Ahnen beteten. Man glaubte, Geister wandelten auf der Erde. Um die Kinder zu schützen, verkleidete man sie als Geister oder Schreckgestalten.Kürbisse wurden geschnitzt und vor die Türen gestellt – aus zweierlei Gründen: Entweder, um den Ahnen den Weg nach Hause zu weisen, oder um böse Geister glauben zu lassen, das Haus sei bereits von einem anderen Geist bewohnt. In Europa verwendete man statt Kürbissen Rüben, daher gab es hier Rübenlaternen.
Erkennst du in diesen alten Bräuchen den Ursprung der heutigen Feste?
2. Die Zeitqualität
Auch wenn Samhain auf eine bestimmte Nacht datiert wurde, steht dahinter eine ganze Zeitqualität, die sich über den Herbst hinweg entfaltet.Ende Oktober merkst du, wie es früher dämmert und die Dunkelheit überhandnimmt. Es wird kalt und neblig – vielleicht spürst du den Wunsch, dich zurückzuziehen und für dich zu sein. Genau das zeigt uns die Natur: Pflanzen ziehen ihre Kraft in die Wurzeln, Samen ruhen in der Erde. Durch diese Kraft des Rückzugs – vielleicht auch des Absterbens – werden wir uns unserer eigenen Vergänglichkeit bewusster. Die Gedanken an die Ahnen werden präsenter.
Wenn das Vieh in den Stall getrieben wird, wird es am Übergang von der Wildnis zum Hof empfangen. Reinigende Feuer wurden entzündet, das Vieh durch den Rauch geführt, um böse Geister zu vertreiben. Auch prüfte man, welche Tiere den Winter überstehen würden – schwache oder alte wurden geschlachtet, damit die Vorräte für die Menschen reichten.
Der Herbst war also eine Zeit des Abschieds. Leben und Tod gehörten untrennbar zusammen – und die Menschen waren sich dessen sehr bewusst. Vielleicht deshalb heißt es, dass zu Samhain die Schleier zwischen den Welten dünner sind.
In der modernen Welt müssen wir keine Vorräte mehr anlegen, doch wenn du dir erlaubst, diesem uralten Impuls zu folgen, wirst du spüren, wie etwas in dir in Resonanz geht. Dein Nervensystem erkennt: „Ich bin sicher und gut versorgt für den Winter.“Dieses Vorräte-Anlegen kannst du ganz individuell gestalten:Lege dir Kerzen an, koche Apfelmus ein, sammle Nüsse, besorge Wolle für Handarbeitsprojekte oder neue Kuschelpullover – was auch immer du brauchst.
Tu es bewusst mit dem Gedanken:„Ich sorge gut für mich und komme sicher und entspannt durch den Winter.“
3. Ritualimpulse für Samhain
Schaffe dir deinen eigenen Wintervorrat: Was brauchst du persönlich, um gut durch die dunkle Jahreszeit zu kommen?
Mach einen Herbstspaziergang und beobachte die Natur. Nimm ihre Kraft auf und verbinde dich mit der Erde.
Räume dein Zuhause auf und räuchere es mit Salbei oder Wacholder, um den Raum für die kommende Zeit zu klären.
Lies ein Märchen über Frau Holle – sie gilt als Hüterin der Seelen unserer Ahnen und der Samen in der Erde.
Gedenke deiner Ahnen: Zünde eine Kerze an, koche ein Lieblingsgericht eines Ahnen, sieh dir alte Fotos an, erzähle Geschichten oder gestalte einen Altar mit Fotos und Erinnerungsstücken

4. Ragnar erklärt, was Samhain mit Lagom zu tun hat

Lagom lässt sich nicht direkt aus dem Schwedischen übersetzen. Es bedeutet so viel wie: „Nicht zu viel und nicht zu wenig – genau richtig.“Was Lagom bedeutet, ist individuell und wandelbar. Es ist ein innerer Check-in: Was brauche ich gerade? Was ist jetzt wichtig?
Dieses in sich Hineinhören, dieser Rückzug zu sich selbst, spiegelt genau die Kraft von Samhain.Erlaube dir, innezuhalten und deiner inneren Stimme zu lauschen. Gehe bewusst in diesen Übergang zur dunklen Jahreszeit. Gönne dir Pausen und sei bei dir selbst.Nur wenn du einatmest, kannst du wieder ausatmen. Was in dieser stillen Zeit in dir heranreift, darf im nächsten Sommer im Außen erblühen.
Wenn wir Samhain feiern, feiern wir nicht nur das Ende, sondern auch den Beginn – in uns selbst. Somit: Lebe Lagom.

