Imbolc – Bedeutung, Rituale und die Energie des Neubeginns im Jahreskreis
- ctolotto
- vor 2 Tagen
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„Die Natur ist niemals statisch. Es verändert sich ständig. Alles ist in ständigem Wandel. Nichts hat Bestand. Alles ist dabei, entweder zu entstehen oder zu vergehen.“ ― Kilroy J. Oldster
Dieser Beitrag lädt dich ein, Imbolc aus einer persönlichen und naturspirituellen Perspektive zu betrachten. Die beschriebenen Bedeutungen und Rituale stammen aus überlieferten Traditionen, zeitgenössischen Deutungen und meinem eigenen Erleben. Sie verstehen sich nicht als Wahrheit, sondern als Inspiration. Fühle hinein, was für dich stimmig ist, und folge dabei deinem eigenen Rhythmus.
Imbolc – das leise Erwachen des Lichts
Am 1. Februar – oder am zweiten Vollmond des Jahres – liegt die Nacht von Imbolc.Das Lichtfest.
Die schwarze Göttin zieht sich zurück, und als weisse Göttin tritt sie erneut in Erscheinung. Mit ihr kehrt das Licht langsam zurück. Die Tage werden spürbar länger, das Dunkel verliert an Macht. Noch ist Winter, und doch liegt bereits ein zarter Neubeginn in der Luft.
Imbolc im Jahreskreis
Im Jahreskreis steht Imbolc dem Schnitterinnenfest im August gegenüber – jenem Fest, an dem die physische Ernte des Jahres eingebracht wird. Während in den Rauhnächten Visionen empfangen wurden, geht diese Phase des Lauschens nun zu Ende. Imbolc markiert den Übergang: vom Empfangen ins Commitment.
Der Winter wird verabschiedet. Häuser werden gereinigt, Dinge repariert, Vorräte überprüft. Es wird geschaut, was bleiben darf und was gehen muss. Altes, nicht mehr Dienliches wird losgelassen – denn Neues braucht Platz. Wenn dich in diesen Tagen der Impuls zum Frühlingsputz überkommt, dann wirkt genau diese Imbolc-Energie durch dich.
Auch auf den Höfen war Imbolc ein wichtiger Wendepunkt. Die Hofbesitzer, Mägde und Knechte hatten gemeinsam den Winter überstanden. Nun wurde entschieden, ob man sich für einen weiteren Zyklus miteinander verpflichten wollte. Bestehende Verträge wurden erneuert – oder bewusst beendet.
Die Zeit des Commitments
Imbolc ist nicht die Zeit des Säens.Es ist die Zeit der Entscheidung.
Was in den Rauhnächten empfangen wurde, wird nun innerlich besiegelt. Du verpflichtest dich dir selbst gegenüber:
Was darf im Winter bleiben?
Was macht Platz für Neues?
Und wofür willst du in diesem Jahreskreis Verantwortung übernehmen?
Früher wurde zu Imbolc die Asche des alten Herdfeuers entfernt. Der Herd wurde gereinigt, geräuchert, und in einem symbolischen Akt das Feuer der neuen Zeit entzündet. Heute ist dies nicht mehr notwendig – und doch kann ein solches Ritual eine kraftvolle Verstärkung deines Commitments sein. Eine weisse Kerze über dem Herd, bewusst entzündet, verbindet dich mit dieser alten Weisheit und mit deinen Ahnen.
Die Wurzeln von Imbolc
Imbolc stammt ursprünglich aus dem Keltischen und bedeutet «im Bauch». Es verweist auf die trächtigen Schafe, deren Bäuche langsam sichtbar werden. Das neue Leben ist noch nicht geboren – aber es ist bereits spürbar. Es ist das Fest der heiligen Brigid: der feurigen Göttin mit rotem Haar und starkem Willen. Sie stellt sich dem Winter entgegen und entfacht das innere wie äussere Feuer neu.
Damit sich das Christentum in Europa etablieren konnte, griff es viele bestehende Jahreskreisfeste auf. Diese Feste waren nicht willkürlich gewählt, sondern entstanden aus der Beobachtung der Zeitqualitäten und der Natur. So wurde auf Imbolc das christliche Maria Lichtmess gelegt.
Wie auch immer du dieses Fest nennen möchtest – und wie auch immer du es begehst: Mach es auf deine Art. So, wie es für dich stimmig ist.
Mein persönliches Imbolc-Ritual
In diesem Jahr habe ich Imbolc bewusst schlicht gehalten. Ich habe einen kleinen Altar errichtet: eine weisse Kerze, eine Bärenfigur – als Symbol des Frühlings, denn der Bär erwacht aus dem Winterschlaf. Auch der Bärlauch trägt ihn in seinem Namen; er schenkt neue Kraft nach der langen Ruhe –, sowie Salzsteine zur Reinigung.
Ich habe meine Wohnung geräuchert, meine Mitte gesucht und laut ausgesprochen, was im Winter bleiben darf, was ich nicht ins neue Jahr mitnehme und wofür ich mich in diesem Jahreskreis verpflichte. Es war ein Zeitaufwand von 10 Minuten, der aber meine gesamte innere Haltung geshiftet hat.

Deine Verpflichtung für den neuen Jahreskreis
Diese Verpflichtung muss nichts Grosses sein. Sie darf genau so aussehen, wie es für dich passt.
Vielleicht achtest du bewusster auf deine Gesundheit.
Vielleicht realisierst du ein lange gehegtes Projekt.
Vielleicht setzt du dich erstmals klar mit deinen Finanzen auseinander.
Vielleicht buchst du eine Reise, sparst gezielt oder kultivierst Dankbarkeit.
Vielleicht beginnst du, deine Grenzen zu achten und öfter Nein zu sagen.
Was auch immer es ist: Kommite dich dir selbst gegenüber.
Auch wenn die Jahreskreisfeste auf bestimmte Tage fallen, wirken sie als Zeitqualitäten. Sie sind Phasen – nicht einfach am nächsten Morgen vorbei. Du musst dich nicht stressen, wenn du dich noch im Wintermodus befindest. Du hast nichts verpasst, wenn noch keine weisse Kerze gebrannt hat. Es ist dein Leben.
Du bist nicht zu spät.
Und du musst auch nicht sofort ins Handeln kommen. Der Boden ist noch nicht bereit für die Saat. Jetzt ist die Zeit der Planung, nicht des Tuns.
Achte auf die leisen Zeichen des Frühlings. Lass dich von der Energie der weissen Göttin inspirieren. Und finde dein ganz persönliches Imbolc-Ritual.
Imbolc erinnert uns daran, dass Neubeginn nicht laut sein muss. Dass Vorbereitung genauso wertvoll ist wie Umsetzung. Und dass jedes Leben seinem eigenen Rhythmus folgt. Lausche dem, was sich zeigen will – und ehre deinen Weg, genau so, wie er sich jetzt anfühlt.


